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Uta writing

Viel(be)deutigkeit

Das Leben ist schön.
Jedes Gefühl ist stark und tief. Jeder Gedanke wirklichkeitswebend. Jeder Blick ein Schöpfungsakt.
Das Leben ist auch schwer.
Und immer ist das Leben reich. Reich an Bedeutung. Reich an Farben. Reich an Dimensionen.
Ich gieße die Viel(be)deutigkeit von Leben in Wortwelten.
Lasst euch davon erzählen, wie ich erlebe.




Am Fuß der Weide



Beitrag zur "Moorgezeiten"-Anthologie des Geestverlags


"... Sie spürte sein Dortsein, bevor sie ihn sah. Die gleiche Bank, das gleiche Buch, einen Bleistift zwischen den Lippen, die Brille tief auf die Nase gerückt, das Gesicht der Sonne abgewandt, den Wind im melierten Haar. Dieses Mal sprach sie ihn an, noch bevor sie herangetreten war. Er sah auf, als kehre er eben erst in diese Welt zurück und einen Moment lang lagen seine Augen bar jeden Schutzes vor ihr, die er wiedererkannte. Sie warf einen tiefen Blick hinein. Ob sie sich dazusetzen dürfe? Und sie setzte sich, konnte er es ihr doch nicht versagen. Und sie saßen. Er tat, als sinke er mit Hingabe in die Zeilen, sie sank in seine Gegenwart.

Irgendwann stand sie auf, dankte ihm mit einem Lächeln und entschwand. Als er über den Rand seiner Brille lugte, drehte sie sich um - zu schnell als dass es ihr entgangen wäre, wie er die Augen niederschlug und dort, auf der hölzernen Sitzfläche neben ihm, die nassen Stellen der Tropfen fand, die ihr Haar hinabgeronnen waren. ..."





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Alptraumfrau




Beitrag zur Literaturzeitschrift

eXperimenta


"... Wie er sie so ansah, da kam ihm, dass er sie kenne. Und ja, er erschauerte, sodann er wußte, er würde ihr den Zutritt nicht verwehren können.

"Ja, bitte?" Er rang um seine Haltung, stützte sich mit den Fingerspitzen auf den Tisch und hob die Brauen, derweil seine Augen ohne Unterlass an den ihren hafteten. Sie tat einen Schritt auf ihn zu, er kämpfte, nicht zurückzuweichen. Und schon war sie da, sagte nichts und lächelte fort von unten herauf um die Wenigkeit, die seine Augen höher als ihre standen.

"Mir scheint, ich verschloß die Tür nicht..." und sogleich schalt er sich, dass ihm aus all der Fülle der Fragwürdigkeiten ihres Hierseins nichts Klügeres zu sagen einfiel.

"Ich werde Ihnen keinen Anlass geben zu bereuen, sprach sie und während er noch auf Ausflucht sann und keine finden wollte, überwanden ihre Lippen die Nähe und umschlossen die seinen. ..."






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Seenseelen



Kurzgeschichte in der Anthologie "Fernwehen", herausgegeben von Elke Bockamp


"Im tiefen Herzen Ostholsteins grenzen Seen an Seen und diese an wieder andere Seen, so dass das Land wie Adern das Wasser zu durchziehen scheint, wie andernorts das Wasser das Land durchfließt. Es gibt dort einen Ort, verloren im lichten Buchenwald, an dem drei Seen sich berühren. Es führt ein Rinnsal bald sickernd, bald plätschernd und kaum merklich zwischen Moosen, Farnen, Klee und Sumpfdotterblumen hindurch. Man weiß nicht, welcher der drei Seen das Sickerwasser speist, welcher es leitet und welcher es aufnimmt. Es scheint, als täte ein jeder ein wenig davon für die anderen und alle all dies für einander. Und das ist auch wahr, denn die drei Seen rannen aus demselben Gletschereis und ihre Lymnaden sind Schwestern. ..."





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Nulla dies sine lacrima



Kurzgeschichte in der Anthologie "Schmerzlos" von ClueWriting


"... Seine Schritte beginnen dumpfer zu hallen, je tiefer er kommt. Das fliehende Tageslicht lässt er hinter sich, fahles Licht der Neonröhren geleitet ihn hinab. Es ist spät - er arbeitet meist lang. Weil er es kann. Weil er es so wählt. Und auch, damit die Kanzlei verlassen ist und niemand mitbekommt, wann er geht und wohin er geht. Angst? Nein, Angst hat er nicht. Aber die Leute verstehen es nicht. Versteht er es selbst? Er versteht, dass sie es immer ärger treiben muss, damit er weinen kann. Die Treppe mündet in einen schmalen Gang, am Ende ist eine Tür. Er ist dort, atmet tief und tut die letzten Schritte in diesen Flur ohne Licht. In seinem Büro überblickt er die Stadt, sieht die Berge. Hier sieht er kaum mehr die ausgestreckte Hand. Hier ist er, um sich ins Gesicht zu sehen. ..."





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Geleit


Kurzgeschichte in der Anthologie "Karneval des Todes", herausgegeben von Alexander Knörr


"... Drei Tode. Wie viel Zeit verging? Zeit - nein, die gibt es nicht im Sterbensreich. Die andere Hebamme, welchen Seelen half sie vom Werden ins Leben, derweil ich jene drei hinausgeleitete? Es ist etwas Heiliges, das da geschieht, das Vergehen nicht minder wie das Entstehen. Und doch: Es ist wohl mein Hängen am Lebensreich, das Sterben zu etwas Grauenvollem macht, und ja, mir graut vor dem, was noch kommt. ..."



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Einmut



Gedicht im Ebook "Vegan", herausgegeben von Christian von Kamp


"...

Das Band, das inniger als Blut gar

unzertrennlich Herzen bindet,

eint, was seiend ungleich scheint zwar,

doch liebend zueinander findet."





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Ein Frosch - ein Problem



Anekdote in der eXperimenta November 2017


"Das schwierige Spiel dieser Stunde: Die Kinder sollen sich in Gruppen ein Problem überlegen, das man in der Schule haben kann, und es ohne Worte vorspielen; die anderen sollen erraten, was es ist, und vorschlagen, wie man helfen könnte. „Was ist ein Problem?“, ruft Marcel. Anna kann es erklären, Ludwig ergänzt. Wildes Gewusel, die Gruppenmitglieder suchen und finden einander, beratschlagen wispernd, üben. Plötzlich spüre ich eine kleine Hand auf meinem Arm. Sean steht da, zieht mich zu sich herab und flüstert mir ins Ohr: „Frau Jürgens, ist ein Frosch ein Problem?“ ..."



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Schatzsuche




Anekdote auf dem Blog von zugetextet, 2018


"Sonntags, früh morgens um halb sechs, ist die beste Zeit. Die gesetzten älteren Mitbürger schlafen noch, die jungen wilden schon. Nein, es ist nicht schön, mich aus dem warmen Bett zu schälen – aber zu einem Raubzug, wie ich sie plane, gehört ein gebührend kühner Einsatz. Mein Komplize gähnt mit drachenhaft geöffnetem Maul und kämpft sich aus der Mulde, die er sich gewühlt hat. Er schüttelt mit schlackernden Ohren die Müdigkeit ab und den Bart zurecht, wedelt mit dem Schwanz und ist bereit. [...] Ich schlüpfe in den viel zu weiten bodenlangen, gruselig siebzigerhaft anmutenden Mantel, den meine Oma einmal mit viel Hoffnung, aber wenig Erfolgserwartung und einem: „Vielleicht ist das was für dich…?“ aus dem Schrank zog – und den sie mir mit so ungläubigem wie überglücklichem Blick überließ, als ich sagte: „Ja!“. Wenn die wüsste ..."




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Drosselbard



Märchen nach "König Drosselbart" in "Alte Märchen - die ganze Wahrheit", Sperling-Verlag, 2019


"Ein Vierter kam, ein Fünfter und schließlich ein Dutzendster – und es geschah, dass Leben und Liebe aus der Königstochter aber- und abermals sprachen: „Nein, den will ich nicht!“. Da wurde der König wütend und die Königin voller Sorge und der eine schalt und die andere mahnte die Tochter: Für immer werde sie allein bleiben! Doch die Lebendige sprach: „Keinen Mann will ich, nur um nicht allein zu bleiben!“ Und doch, der Kummer fand seinen Weg auch in ihre Seele. Ob es denn keinen Mann auf Erden geben solle, der ihr ganz und gar gefiele? ..."



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Jenseits der Zeit



Kurzgeschichte in der erotischen Anthologie "Rosa Elfenstaub", Dirk-Laker-Verlag, 2019


"Es geschieht alles so unerklärlich, wie selbstverständlich, und er steht vor ihr, wie berufen – berufen das einzige zu tun, was ihm tunswürdig erscheint. Kein Blick geht zurück zur gefrorenen Frau auf Mitten der Straße, kein Gedanke daran, ob jemand ihn sähe… Niemand rührt sich, niemand sieht, niemand lebt als sie beide. Dies ist der zeitlose Moment, in dem die Ewigkeit liegt. Einzig zu tun würdig: Er erwidert das Lächeln der jungen Schönen, hebt seine entfesselte Hand und streicht ihr über die Wange. [...] Seine Berührung wie das Heischen eines verbotenen Duftes. Sie lässt es geschehen, sie lädt es ein. Sie schließt die Augen, genießend, öffnet sie wieder, schenkend, sieht ihn an, lockend. Sie nimmt seine Hand. Ein zarter Zug genügt – er folgt. Sie geht rückwärts, ihm zugewandt, sie kennt ihren Weg. ..."



Link zum Buch bald nach Erscheinen



...weitere unter Pseudonym.







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